Evelyne Frostl: Bilder im Artevefact Style

"Perception"

„Deine Bilder sind klasse. Hast schon einen Künstlernamen? Nur Evelyne Frostl ist ja langweilig!“ lautete vor vielen Jahren ein Kommentar einer Vernissage Besucherin. Ich und langweilig oder mein Name?

Sprachlosigkeit war meine einzige Reaktion, gefolgt von unmerklichem Kopfschütteln, ob nun zu der Aussage oder wegen des Künstlernamens oder beidem, entzieht sich meiner Erinnerung. Dass man es als Künstlerin nicht leicht hat, hatte ich schon öfter gehört, bevor ich 2004 den ersten Schritt in die Öffentlichkeit wagte.
Wenn ich heute an meinen Weg zur Kunst denke, sehe ich das kleine Mädchen, das im großartigen Atelier von Prof. Franz Kaulfersch in Baden bei Wien stand und dem armen Menschen Löcher in den Bauch gefragt hat, bevor meine Fingerspitzen zaghaft, weil verboten, die Trockenfarbe erforschten. Völlig versunken in der Bildbetrachtung und dem Aufnehmen des Geruchs der Farben war ein Erlebnis, an das ich mich heute noch gerne erinnere.

Evolution, Mixed media on canvas, 50 x 100cm, 2016
Evolution, Mixed media on canvas, 50 x 100cm, 2016

 

Bis ich mich endlich völlig der Kunst widmen durfte, dauerte etwas länger. Es galt viel Geröll beiseite zu schaffen und Ballast abzuwerfen. Immer wieder forderte mein Alltag „Wichtigeres“, als sich der Leinwand zu widmen. Doch nebenher gab es die Zeiten, wo ich mit Zeichenblock und Stiften bewaffnet, meiner Leidenschaft nachgab und kleine Werke schuf. Auch heute genieße ich es noch sehr, auf der sonnigen Terrasse zu sitzen und kleine Zeichnungen auf Papier zu machen, die allerdings noch nie in Ausstellungen zu sehen waren. Vielleicht eines Tages….

Die Zeichnungen auf Papier füllten langsam, aber sicher meine Mappen. Irgendwann kaufte ich mir meinen ersten Keilrahmen und begann mit Ölfarben und Spachteltechnik die Leinwand zu gestalten. Für mich war es damals ein „richtiges“ Bild und ich war wahnsinnig stolz darauf. Genau dieses Glücksgefühl etwas zu schaffen, zu kreieren und ganz im Bild gefangen zu sein, führten dazu, dass ich viel mehr malte, meine Techniken variierten und durch den Zuspruch vieler Freunde und Bekannten meine erste Ausstellung in St. Pölten 2005 stattfand.

Mit Schubladendenken kam ich nie gut klar, so dass ich in der Kunst immer gerne experimentiert habe, da ich mich von Anfang an nicht auf einen Stil festlegen lassen wollte.

Mit der Komposition der Farben, mit der Beschaffenheit der Materialien und natürlich auch mit dem Malwerkzeug, entstanden unzählige Werke, mit denen ich ganz zufrieden war, aber ich experimentierte bis ich endlich meinen Style gefunden hatte, der mir mittlerweile einige Preise, Nominierungen und Auszeichnungen eingebracht hat.

Crazy, mixed media on canvas, 70 x 100cm, 2016
Crazy, mixed media on canvas, 70 x 100cm, 2016
The Blue Wizzard, mixed media on canvas, 60 x 80cm, 2016
The Blue Wizzard, mixed media on canvas, 60 x 80cm, 2016

Malen ist etwas ganz Persönliches, ein Teil der Seele wird auf die Leinwand gebannt. Die Bilder und Farben aus dem Kopf nehmen nachvielen Monaten, manchmal mit viel Esprit auch nach Tagen, in vielen Stunden Arbeit, Gestalt an.
Taucht man tief in seine malerische Gefühlswelt ein, ergibt sich für mich ein wichtiges Hauptthema: Die Wahrnehmung.

Perception, mixed media on canvas, 70 x 100cm, 2016
Perception, mixed media on canvas, 70 x 100cm, 2016

 

Eines meiner liebsten Beispiele um sich seiner selbst bewusst zu werden, ist der Geruch. Gerüche erinnern auch an Vergangenes, die Bilder von damals begleiten uns, wenn wir bereit sind, sie zuzulassen, nachzuspüren, wie man sich verändert hat, ob man irgendetwas anders machen würde oder ob sich ein Gefühl tiefer Befriedigung ausbreiten kann.

In einigen dieser Gedanken erinnerte ich mich an die wunderschönen Legenden, Mythen und Fabeltiere, die eigentlich jeden seit Kindesbeinen an begleiten sollten.

Im Zuge meiner Dissertation an der Universität Wien im Fachbereich Theater-, Film- und Medienwissenschaft forschte ich sehr intensiv über den Mythos Begriff an sich und über die Ursprünge der Mythen. Ohne mich nun nur ausschließlich auf einen Teil dieses gewaltigen Themas festlegen zu wollen, gab es für mich in Bezug auf meine künstlerische Arbeit zwei Begrifflichkeiten. Mythos ist in der Seele des Menschen verwurzelt und um auch Jung zu folgen, das kollektive Gedächtnis per se.

Mancher wird nun lächeln und sagen, okay was soll das kollektive Gedächtnis denn sein? Hier ein kleines Beispiel: der Drache. Niemand hat je einen Drachen gesehen, er lebt nur in Legenden und Sagen, aber warum weiß ein kleines Kind ohne jemals einen Drachen gesehen zu haben, wie ein Drache aussieht?
Ich liebe Drachen, nicht nur weil er das Urweibliche verkörpert, auch die Vorstellung mythologischer Fabelwesen während des Malens entspricht den von mir besonders bevorzugten Bildinhalten. Es ist mein Versuch die Fantasie zu reanimieren, indem ich die Mythen, Sagen und Legenden in Bruchstücken in meinen Werken festhalte.

Dragon's Stronghold, mixed media on canvas, 70 x 100cm, 2016
Dragon’s Stronghold, mixed media on canvas, 70 x 100cm, 2016

Zum Malen an sich muss ich noch anmerken, dass meine Bilder zu einem verschwindenden Prozentsatz einen Pinsel gesehen haben. Sie entstehen im Fließen der Farben, welchen ich dann mit Lackmarkern und Acrylstiften die endgültigen Formen gebe.

Man findet in ihnen das Unerwartete, und manchmal muss man die Perspektive verändern um wieder Neues zu entdecken. Doch diese Wahrnehmung bleibt dem jeweiligen Betrachter vorbehalten, der sich Evelyne Frostl und ihrem „artevefact style“ widmet.

Fly and Grow, mixed media on canvas, 60 x 90cm, 2016
Fly and Grow, mixed media on canvas, 60 x 90cm, 2016

 

Viel mehr meiner Werke, die in London, Rom, Berlin, Wien, Hamburg und nächstes Jahr in New York ausgestellt wurden und werden, kann man auf www.artevefact.com betrachten.

Evelyne Frostl
Evelyne Frostl

Bedanke mich herzlich für Ihr Interesse und wünsche Ihnen viel Freude beim Entdecken.

 

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